Wildkrankheiten: Räude

Die Räude, immer wieder ein Problem in den Revieren. Verursacht durch die Krätzmilbe ist sie auch bei uns in der Nordwest Schweiz ein Problem. Immer wieder sind Füchse und das Schwarzwild davon betroffen…

Kleine Milbe mit grosser Wirkung

Wildkrankheiten
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Sarcoptes scabiei – die Krätzmilbe

Fakten

NamenRäude, Krätze
Verursacher Krätzemilben (Sarcoptes-Räude)
Betroffenvor allem Hundeartige
Übertragungdirekter und indirekter Kontakt
BehandlungNutz- und Haustiere mit Avermectine (Behandlung von Wildtierbeständen ist meist schwierig)

Bei der Räude – auch als Krätze bekannt, handelt es sich um eine durch Milben also durch Parasiten ausgelöste Wildtierkrankheit. Die Milben (Grabmilben) bohren Gänge in die Haut ihres Wirts und legen dort ihre Eier ab. Dies verursacht bei dem Betroffenen starken Juckreiz. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven erzeugen beim Menschen das Krankheitsbild der Krätze, bei Tieren die Räude.

Das Krankheitsbild ist geprägt von entzündeten, nässenden und zum Teil verkrusteten Erosionen oder Exkoriationen.

Fuchs der an der Räuder erkrankt ist
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Fuchs der an der Räude erkrankt ist.

Die Krankheit ist bei 104 Säugetierarten (Wildtiere und Haustiere) nachgewiesen. Bei uns sind dies häufig der Fuchs und das Wildschwein

Räude bei Haustieren

Besonders Hunde, im speziellen Jagdhunde, sind anfällig auf einen Befall mit Grabmilben. Wenn der Hund Haut- bzw. Fellkontakt zu einem mit der Räude befallenen Wildkörper (egal ob lebend oder als Kadaver) hatte, sollte er in den nächsten Tagen beobachtet werden.

Die Erkrankung äussert sich in Form von Hautproblemen, die durch deutlich sichtbaren stellenweisen Haarausfall zu erkennen sind. Die unregelmässigen kahlen Stellen treten häufig als erstes an Ohren und Beinen des Tieres auf. Diese Hauterkrankung, die auch Hundekrätze genannt wird, ist eine Folge des Befalls mit Milben, die sich in die oberste Hautschicht eingraben und unter der Haut ansiedeln. Der Milbenbefall quält den Hund mit exzessivem Juckreiz. Ohne eine Behandlung der Räude verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Hundes und der Befall weitet sich auf immer grössere Flächen aus.

Drei verschiedene Milbenarten sind für die Hautprobleme des Hundes verantwortlich: Demodex canis, Sarcoptes scabei und Cheyletiella. Die durch Sarcoptic und Demodectic verursachten Erkrankungen sind die klassischen Arten der Räude, die meistens bei Hunden diagnostiziert werden.

Behandlung der Räude beim Hund

Da es verschiedene Arten von Milben gibt, die die Räude hervorrufen, hängt die Behandlung davon ab, welche Art für die Erkrankung verantwortlich ist.

Die Behandlung mit Wirkstoffen gegen Räude verursachende Milben ist nicht frei von Nebenwirkungen, deshalb muss der Zustand des Hundes von einem Tierarzt überwacht werden. Der Hundehalter sollte bei Symptomen einer Unverträglichkeit wie Durchfall, Zittern oder Erbrechen sofort seinen Tierarzt informieren.

Folgende Behandlungsweisen der Hunderäude sind bekannt:

Selamectin

Selamectin ist der Wirkstoff, der am ehesten verschrieben wird, um die durch Sarcoptic verursachte Räude bei Hunden zu bekämpfen. Es ist ein sehr effektives Insektizid in Lösungsform. Im Vergleich zu anderen Mitteln hat es eine sehr gute Verträglichkeit.
Es ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das direkt vom Tierarzt bezogen werden kann.
Als Kur gegen die Räude reicht eine einmalige Behandlung aus. Bei einer schweren Infektion muss sie nach ein paar Monaten wiederholt werden.

Ivermectin

Auch dieser Wirkstoff ist sehr hilfreich in der Behandlung von durch Sarcoptic und Demodetic verursachte Räude bei Hunden. Bei richtiger Anwendung kann sie den Milbenbefall sofort stoppen.
Die Behandlung erfolgt in Tablettenform, als Lösung zum Auftragen oder als Injektion.

Ivermetic ist nicht für alle Hunderassen geeignet und da es in sehr hohen Dosen verwendet werden muss, um richtig zu wirken, gilt es nicht als gut verträglich.

Medizinisches Shampoo

Diese Art der Behandlung wird verschrieben, wenn der Hund von Cheyletiella Milben befallen ist. Erkennbar ist die Erkrankung beim Hund an den auftretenden Schuppen und einem leichtem Haarausfall.
Diese Art der Räude spricht sehr gut auf wöchentliche Bäder mit Seleniumsulfid an. Normalerweise reichen 4-5 Bäder aus, um die Milben abzutöten.

Lime Sulfur Bad

Dieser Wirkstoff wird auf die betroffenen Stellen aufgetragen.
Die Badelösung kann für den Hund sehr schädlich sein wenn sie versehentlich aufgenommen wird oder mit Augen und Ohren in Kontakt kommt. Ein sorgsamer Umgang ist deshalb sehr wichtig.

Der Tierarzt empfiehlt beim Umgang mit Lime Sulfur einen Schutzkragen für den Hund und Handschuhe für die behandelnde Person. Vor der Verwendung muss die Haut des Hundes mit Benzoylperoxid Shampoo behandelt werden. Danach wird die Lime Sulfur Lösung aufgetragen. Sie muss gut trocknen, damit eine Wirksamkeit garantiert ist.
Lime Sulfur wird für schwere Formen der durch Sarcoptic und Demodetic verursachten Räude empfohlen. Die Lösung kann alternativ auch mit dem Schwamm aufgetragen werden.

Amitraz Bad

Eine Alternative zum Lime Sulfur Bad ist eine Badelösung, die den Wirkstoff Amitraz enthält. Amitraz Bäder werden sehr erfolgreich bei der Bekämpfung von hartnäckigem Sarcoptic- und Demodetic-Milbenbefall eingesetzt. Vor der Behandlung muss der Hund mit einem milden Shampoo gebadet werden, dann wird die Haut mit einem Handtuch getrocknet und die Lösung wird vorsichtig auf alle betroffenen Hautpartien aufgetragen.

Andere Wirkstoffe

Moxidectin und Milbemycinoxim sind weitere Wirkstoffe, die gegen die durch Demodectic verursachte Räude eingesetzt werden, vor allem wenn der Hund eine Unverträglichkeit gegen Ivermectin zeigt.

Diese Stoffe werden entweder oral eingegeben oder auf die Haut aufgebracht. Ein örtlich begrenzter Milbenbefall lässt sich mit diesen frei erhältlichen Wirkstoffen gut behandeln.

Milbemycinoxim kann angewandt werden wenn der Hund auf Amitraz nicht reagiert.

Hausmittel gegen die Räude

Welche Hausmittel gibt es gegen den Milbenbefall?

Bewährt ist die Behandlung mit einer Lösung die Hydrogenperoxid und Borax beinhaltet. Zur Vorbereitung wird ein Esslöffel Borax in einem halben Liter Wasser aufgelöst. Dann kommen 2-3 Tropfen Hydrogenperoxid hinzu. Die gut durchgemischte Lösung wird auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen und muss anschliessend gut trocknen.

Die richtige Diät gegen Räude

Ob sich Hundebesitzer für eine Behandlung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten oder für bewährte Hausmittel entscheiden, eine passende Diät ist zusätzlich wichtig, um die Erkrankung zu bekämpfen. Jede Behandlung wäre ohne eine Diät mit qualitativ hochwertigem Hundefutter nicht effektiv. Rohes Gemüse wie Alfalfa-Sprossen oder Brunnenkresse stärken das Immunsystem, das bei der Bekämpfung der Milben eine wichtige Funktion hat. Neben der Rohkost im Futter werden auch Nahrungszusätze für die Haut empfohlen.
Der Tierarzt kann Fischöl, Vitamin C und Vitamin E verschreiben, damit der Hund sein glänzendes, gesundes Fell zurück bekommt.

Wie lange dauert die Behandlung der Räude?

Die Dauer der Behandlung hängt von der Schwere des Milbenbefalls ab.

Natürlich erfordert eine Räude, die sich schon über grosse Teile des Körpers ausgebreitet hat, eine längere Behandlung als ein örtlich begrenzter Befall.

Generell benötigt ein schwerer, grossflächiger Befall mit Milben etwa 3-4 Behandlungen mit Amitraz oder dem Lime Sulfur Bad und mindestens 2-3 Monate bis zur völligen Ausheilung. Eine lokal begrenzte Räude kann mit der richtigen Behandlung innerhalb eines Monats verschwunden sein.

Wildkrankheiten: Räude via @treierp
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