Setzzeit – Leinenzeit

Vom 1. April bis zum 31. Juli in Wäldern und an Waldrändern an der Leine geführt werden. Einige Leute scheint dies nicht im geringsten zu interessieren, aber die Verordnung macht durchaus Sinn…

Als erstes muss man hier anmerken: Wir sprechen von einem vom Kanton zu Kanton unterschiedlich ausgelegten Gesetz.
In den Frühlingsmonaten, in denen viele Wildtiere setzen und brüten, sehen manche Kantone zum Schutz des Wildes strenge Vorschriften für das Ausführen von Hunden im Wald vor.

Ich beziehe mich auf die Auslegung die im Kanton Basellandschaft Anwendung findet.

Was steht im Gesetz?

Auszug aus dem ‚Gesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdgesetz BL)

§38 Schutz des Wildes vor Hunden und Hauskatzen
 1 Während der Hauptsetz- und Brutzeit (1. April bis 31. Juli) sind alle Hunde im Wald und an Waldsäumen an der Leine zu führen.
 2 Der Gemeinderat kann in Absprache mit der Jagdgesellschaft, den Naturschutzkreisen und der zuständigen Fachstelle Gebiete bezeichnen, in denen während der Hauptsetz- und Brutzeit die Leinenpflicht nicht gilt.
 3 Hunde, die nicht unter Kontrolle gehalten werden können und die Wege verlassen, sind generell an der Leine zu führen.
 4 Im Wald wildernde bzw. streunende Hunde dürfen nach erfolgloser Mahnung oder wenn die Besitzverhältnisse nicht geklärt werden können durch die Jagdaufsicht abgeschossen werden. Der Regierungsrat erlässt ergänzende Bestimmungen.
 5 Durch Hunde verursachte Schäden am Wildbestand hat die Halterin oder der Halter der Jagdgesellschaft zu vergüten.
 6 Im Wald dürfen streunende, verwilderte Hauskatzen durch die Jagdaufsicht abgeschossen werden.
 7 Die Gemeinden kontrollieren die Einhaltung der Leinenpflicht gemäss Absatz 1.

Der Hintergrund

Auch wenn Ihr Hund kein Jäger ist und nur so durch den Wald streift ist er eine Last und Gefahr für die Wildtiere. Selbst wenn der Hund nun einem Reh nachstellt könnte man ja sagen, dass das Tier dadurch nicht verletzt wird und es werden sicherlich von Jägern mehr Tiere erlegt wie von Hunden gerissen.

Der Grund weshalb solche Hunde an die Leine gehören ist eigentlich einfach.

Solche Hetzjagden sind für die Wildtiere enormer Stress. Gerade im Frühjahr wenn die Tiere aus dem langen und anstrengenden Winter kommen sind sie eh schon geschwächt. In der Brut- und Setzzeit sind Jungtiere eine leichte Beute für jagende Hunde.

Auch wenn die Hunde nicht zubeissen, kann es bei den gehetzten Tieren zu einem Herzstillstand oder einem Abort kommen.

Ausserdem besteht die Gefahr, dass die Wildtiere (und allenfalls auch der Hund) in einen Zaun oder auf die Strasse laufen oder dass Jungtiere von ihren Müttern getrennt werden.

Ein Rehkitz in seinem Versteck

Frisch geborene Rehkitze sind auch darauf angewiesen, unentdeckt vor Fressfeinden zu bleiben. Wenn sie nun durch einen Hund aufgescheucht werden und fliehen müssen – sofern sie dies überhaupt schon aus eigener Kraft können – verraten sie ihren Standort und werden gefährdet. (siehe hierzu auch ‚Waldbewohner: Das Reh‚)

Gefahr droht auch dem Hund

Wird ein Hund beim Jagen oder Wildern erwischt, sehen fast alle Kantone die Möglichkeit vor, dass dieser durch den Jagdvorsteher oder eine andere Person abgeschossen werden kann.

Aus dem Jagdgesetz:

4 Im Wald wildernde bzw. streunende Hunde dürfen nach erfolgloser Mahnung oder wenn die Besitzverhältnisse nicht geklärt werden können durch die Jagdaufsicht abgeschossen werden. Der Regierungsrat erlässt ergänzende Bestimmungen.  

Es kann also durchaus der Fall eintreten, dass ein Hund von einer solchen Jagd nicht mehr zurück kommt.

Fazit

Man kann an die Hundehalter nur appellieren, sämtliche notwendigen Massnahmen zu treffen, um zu verhindern, dass ihre Hunde Wildtiere jagen oder anderweitig stören – selbst, wenn keine kantonale Leinenpflicht besteht.

Es ist nicht nur im Wald grosse Vorsicht zu bieten, sondern auch in dessen Nähe und vor allem in Wiesen mit hohem Gras, da viele Wildtiere ihre Jungen gerne dort verstecken!

Jeder Hund ist ein potenzieller Jäger – unabhängig von seiner Grösse und seinem Alter.

Auch aus erzieherischer Sicht ist es ratsam, das selbst belohnende Jagdverhalten mit sehr hohem „Sucht-Potential“ gar nicht erst aufkommen zu lassen.

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