Waldbewohner: Der Wolf

Wölfe sind hoch entwickelte und extrem anpassungsfähige Raubtiere. Sie leben in einem Familienverband und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie waren bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft das am weitesten verbreitete Landraubtier der Erde.

Einleitung

Einst bevölkerte der Wolf die ganze Nordhalbkugel. In Folge direkter Nachstellung, fehlender Beutetiere und der extremen Entwaldung im 19. Jahrhundert war er aus der ganzen Schweiz verschwunden.

Der letzte Wolf in der Schweiz wurde 1872 im Kanton Tessin geschossen.
Die einzige Wolfspopulation in Europa überlebte in der italienischen Abruzzen.

Im den 1970er Jahren wurde der Wolf in Italien unter Schutz gestellt. Dank dieser Massnahme konnte sich der Wolf langsam wieder nach Norden ausbreiten.

Die ersten Wölfe kehrten im Jahre 1995 in die Schweizer Alpen zurück. Heute geht man von 10 bis 20 Tieren aus, die dauernd in der Schweiz leben.

Einige der Wölfe verursachten Schäden an Nutztieren und wurden aus diesem Grund von den Behörden zum Abschuss freigegeben.

Steckbrief

Gewicht (Lebendgewicht) Rüden 30 – 80kg
Wölfin 23 – 55kg
Paarungszeit (Ranz) Januar bis März
Tragzeit 2 Monate
Wurfzeit Ende März
3 bis 8 blinde und taube Welpen
Säugezeit 6 bis 8 Wochen
Nahrung Fleisch, aber auch Früchte
Natürlicher Beutegreifer keine
Verbreitungsgebiet Im Alpen- und Voralpenraum

Jagdsprachliche Bezeichnungen

Erwachsene Tiere Rüde ♂ Fähe ♀
Jungtiere Welpen
Tiergruppe Rudel
Paarungszeit Ranz

Sinne

Der Wolf sieht nicht scharf aber er hat ein sehr gutes Bewegungssehen.

Er kann auch in der Nacht ausgezeichnet sehen und hat einen Blickwinkel von 250°. Menschen haben dagegen einen Blickwinkel von 180°.

Der Wolf kann hervorragend riechen: seine Artgenossen und Beutetiere riecht er auf bis zu 2 Kilometern Entfernung.

Lebensraum

Der Wolf ist sehr anpassungsfähig an seine Umgebung. Grundsätzlich meidet er Lebensräume in denen er vom Menschen gestört wird.

Gebiete in denen der Hirsch ansässig ist werden vom Wolf gerne zur Besiedelung genutzt. Gelegentlich leben Wölfe auch in Siedlungsnähe oder auf landwirtschaftlichem Kulturland. Sie führen aber ein sehr heimliches Leben und fallen meist erst dann auf, wenn Schäden an Nutztieren auftreten.

Verhalten

Das Rudel

Regeln des Rudels 

Respect the elders.
Teach the young.
Cooperate with the pack.
Play when you can.
Hunt when you must.
Rest in between.
Share your affections.
Voice your feelings.
Leave your mark.

by Del Goetz © 1988

Wölfe sind sehr soziale Tiere und leben in einem klar strukturierten Familienverband. Die Rudel in der Schweiz sind üblicherweise klein.

Die primäre Funktion des Rudels ist das Sicherstellen des Überlebens der Art durch erfolgreiche Aufzucht der Welpen. Die ist jedoch nur dann möglich wenn genügend Nahrung zur Verfügung steht.

Ein Rudel besteht in der Natur normalerweise aus den Eltern und den Welpen und Jungtieren aus den letzten 1-2 Jahren.

Jungwölfe bleiben meist bis zum erreichen der Geschlechtsreife – mit 10-22 Monaten, meist mit knapp 2 Jahren – im Rudel und helfen bei der Aufzucht der Welpen mit. Mit erreichen der Geschlechtsreife verlassen sie das Rudel und legen auf der Suche nach einer Partnerin oft sehr weite Strecken zurück um in einen neuen Territorium eine eigene Familie zu gründen.

Rudelgrösse

Die Grösse des Rudels wird durch zwei Faktoren beeinflusst

  • Das Nahrungsangebot.
  • Die Grösse des Territoriums das zur Verfügung steht.

Ein grosses Nahrungsangebot – in anderen Ländern auch die Grösse der Beutetiere (Elch, Bisons) – begünstigen ein grosses Rudel, da für jedes Rudelmitglied genügend Nahrung zur Verfügung steht. Da aus diesem Grund auch weniger Konkurrenz entsteht, können solche Rudel bis 20 Tiere umfassen. Solche Rudel werden aber eher in den USA oder Kanada entstehen.
In Europa besteht ein Rudel im Durchschnitt aus 8 bis 10 Tieren. Durch den jährlichen Zuwachs und die Abwanderung bleibt der Bestand meist über Jahre konstant.

Sozialstrukturen im Rudel

Innerhalb des Rudels gibt es sehr viele Interaktionen, es gibt richtige Begrüssungszeremonielle, wobei die rangniedrigeren Welpen und Jungwölfe ihre ranghöheren Eltern stürmisch begrüssen und ihre Schnauzen lecken.

Wölfin mit ihren Jungen

Die Welpen lernen von ihren Geschwistern und ihren Eltern und werden von diesen auch zurechtgewiesen.

Die Leittiere zeigen ihren hohen sozialen Status durch örtliche Positionen, Körperhaltung, Mimik und kleine Gesten. Beim Liegen bevorzugen sie vielfach auch eine grössere Individualdistanz (Bereich um einen Wolf, in dem er situationsbedingt keinen anderen duldet).
Der Leitrüde muss nicht der grösste und stärkste Wolf im Rudel sein, sondern er zeichnet sich durch seine Erfahrung, Ruhe und einer gewissen Überlegenheit aus.
Wölfe vermeiden Aggressionen und Kämpfe nach Möglichkeit. Sie lösen Konflikte innerhalb des Rudels vor allem mit Körpersprache, wobei der rangniedrigere Wolf Beschwichtigungsgesten, aktive Unterwerfung (geduckte Körperhaltung, Ohren zurückgelegt, Lecken, Pföteln, wedeln mit gesenkter Rute…) oder passive Unterwerfung (legt sich mit eingezogener Rute auf den Rücken , Ohren zurückgelegt, Blickkontakt wird vermieden…) zeigt.

Territorialverhalten

Jedes Wolfsrudel beansprucht sein eigenes Territorium, das gegenüber fremden Rudeln verteidigt wird. Die Territorialgrenzen werden mittels Urin- und Kotabsetzen markiert.

Es muss so beschaffen sein, dass es eine geeignete Nahrungsgrundlage für das ganze Rudel bietet, über eine Wasserquelle verfügt und genügend Rückzugsmöglichkeiten hat.

Die Grösse des Territoriums und des Rudels ist vom Nahrungsangebot in diesem Gebiet abhängig. In Gebieten mit starkem Beutevorkommen kann ein Territorium 50 km2 messen, bei wenig Nahrungsangebot kann es jedoch bis zu mehreren 1000 km2 gross sein.
In Europa, wo in vielen Gebieten reichlich Nahrung verfügbar ist, umfasst ein durchschnittliches Territorium ca. 200 – 300 km2.
Häufig befinden sich zwischen benachbarten Territorien Grenzgebiete, bei denen kein Rudel das Vorrecht besitzt.

Diese Grenzgebiete werden oft von alleinlebenden Wölfen, die auf der Suche nach einem Partner sind durchwandert, da ihnen dort keine Gefahr droht.
In Gebieten mit geringer Wolfsdichte findet ein Paar rasch ein freies Territorium um eine eigene Familie zu gründen. Hingegen in Gebieten mit grosser Wolfspopulation oder Nahrungsknappheit haben es die Wölfe schwer sich niederzulassen.

Trittsiegel

Trittsiegel des Wolfes

Spurbilder

Geschnürter Trab

Diese Gangart nutzt der Wolf um lange Distanzen bei gleicher Geschwindigkeit zu überwinden. Die Hinterpfoten werden genau in die Trittsiegel der Vorderpfoten gesetzt.

Mehrer Wölfe laufen gerne hintereinander und treten exakt in die Spur der Vorgängers

Die Schrittlänge liegt zwischen 1.1m – 1.5m

Schräger Trab

Im schrägen Trab läuft der Wolf mit einer etwas schräggestellten Körperachse geradeaus.
Dabei setzt er die kleineren Hinterpfoten auf derselben Seite schräg vor den Abdrücken der Vorderpfoten auf. Es entstehen Zweiergruppen von Abdrücken mit jeweils demselben Abstand dazwischen.

Der Wolf läuft in dieser Gangart schneller als im geschnürten Trab.

Die Schrittlänge liegt zwischen 1.3m – 1.8m

Galopp

Im Galopp setzen Wölfe zuerst die Vorderpfoten nacheinander auf und dann kurz nacheinander die beiden Hinterpfoten, die sie aussen an den Vorderbeinen vorbei führen.

Im verhaltenen Galopp entstehen meist Vierergruppen von Abdrücken (zuerst die beiden grösseren Vorderpfoten, dann die zwei kleineren Hinterpfoten).

Im gestreckten Galopp liegen die vier Trittsiegel fast in einer Linie hintereinander, es sind keine Vierergruppen mehr erkennbar. Der gestreckte Galopp kann dann leicht mit dem geschnürten Trab verwechselt werden, die Abstände sind jedoch grösser und es gibt keine Doppeltrittsiegel.

Jagdtechnik

Der Wolf ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Bei seinen nächtlichen Streifzügen kann er weite Strecken zurücklegen (bis 60 km pro Nacht sind keine Seltenheit).

Wölfe finden Beutetiere meist direkt durch deren Geruch, seltener durch Verfolgung frischer Spuren. Während sie ihr Territorium auf der Suche nach Futter zumeist im Trab mit 6-8 km/h durchstreifen, wittern sie ihre Beute über eine Distanz von bis zu 2-3 km.

Um ihren Energiehaushalt zu schonen und auch Verletzungen vorzubeugen, bevorzugen Wölfe, wenn sie die Möglichkeit haben, einfach zu jagende Beutetiere. Wölfe haben somit meist bei jungen, noch unerfahrenen, alten und geschwächten oder kranken Tieren Jagderfolg. Da diese langsamer sind, können sie durch die Wölfe leichter von der Herde abgetrennt und dann einzeln gejagt werden.

Bei gesunden und kräftigen Tieren haben die Wölfe eher selten eine Chance.

Die Mär von der Hetzjagd

Entgegen der Vorstellung die früher herrschte, ist der Wolf kein Jäger der seine Beute durch hetzen bis zur Erschöpfung jagt. Heute weis man, dass der Wolf seine Beute eher durch kurze und schnelle Jagd überrumpelt. Der Wolf ist dabei in der Lage Spitzengeschwindigkeiten von 60 km/h zu erreichen!
Lässt sich die Beute nicht in nützlicher Frist erreichen, gibt er auf und schont seine Energiereserven.

Aus diesem Grund jagt der Wolf nur dann,  wenn er eine Chance auf Erfolgt hat. Trotzdem ist die Jagt nur in einem vom zehn Fällen erfolgreich und er Wolf muss oft mehrere Tage ohne Nahrung auskommen.

Ist er jedoch erfolgreich, kann er bis 20% seines Körpergewichtes an Fleisch hinunterschlingen – bei grossen Tieren kann das bis 10kg Fleisch sein!

Ein Eindrückliches Beispiel ist aus der Studie von D. Mech, Isle Royale USA zu entnehmen.

Von 131 aufgespürten Elchen konnten nur 6 erlegt werden

Ernährung

Siehe auch Konflikte

Nahrung

Wölfe sind Fleischfresser ihre Hauptnahrungsquelle sind mittelgrosse bis grosse pflanzenfressende Säugetiere.

Der Speiseplan des Wolfes hängt vor allem von den zur Verfügung stehenden Beutetieren in seinem Territorium ab. Wenn immer möglich, bevorzugen sie jedoch Schalenwild.

Bei uns in der Schweiz finden die Wölfe: Hirsche, Rehe, Gemsen, Wildschweine, Murmeltiere, Füchse, Hasen, Kleinnager bis hin zu Vögeln und Mäusen.

Je nach Saison frisst der Wolf auch gerne reife Früchte und Beeren.

Der Wolf ist sehr anpassungsfähig und bei Nahrungsknappheit ernährt er sich von allem Vorhandenen, sogar von Insekten oder von Abfällen.

Losung

Der Kot enthält viele Schalenwildhaare, Knochenfragmente und zum Teil sogar Schalen und Zähne der Beutetiere.

Wolflosung

Wolfslosungen sind mindestens 2,5 cm dick und oft über 20 cm lang. Von Fuchslosungen unterscheiden sie sich durch ihre Größe und die größeren Knochenreste. Hundekot unterscheidet sich in Form und Größe wenig, meist aber durch die aufgenommene Nahrung. Für einen sicheren Nachweis, besonders bei frischem Kot wird eine Laboruntersuchung benötigt.

Fortpflanzung

Die Ranzzeit findet einmal im Jahr statt. Im Januar bis in den März je nach den lokalen Bedingungen. So werden die Jungtiere bezüglich Temperatur und Nahrungsangebot zu besten Zeit geboren. Die Paarungszeit ist somit auf die günstigsten Bedingungen nach der Geburt abgestimmt.

Vor und während der Ranzzeit nehmen die Spannungen im Rudel stark zu. Die Leitwölfin reagiert hochgradig aggressiv gengenüber den jüngeren geschlechtsreifen Weibchen im Rudel und unterdrückt sie so stark, dass diese meist gar nicht läufig werden. Dabei wird sie häufig von ihren dies- und letztjährigen Welpen tatkräftig unterstützt. 

Die Wurfhöhle

Bei fortschreitender Trächtigkeit hält sich das Rudel in der Nähe der von der Leitwölfin ausgewählten Wurfhöhle auf, welche über mehrere Jahre dieselbe sein kann.

Entweder wurde sie selbst gegraben, oder sie übernehmen eine bestehende, von einer anderen Tierart verlassene Höhle. Im Territorium gibt es verschiedene Höhlen, damit im Falle einer Störung, die Welpen in eine andere Höhle verlegt werden können.

Kurz vor der Geburt verkriecht sich die Wölfin in die Höhle und lässt kein anderes Rudelmitglied mehr hinein. Nach der Geburt suchen die Kleinen sofort die Zitzen und beginnen zu trinken. Die ersten 3 Tage bleibt die Mutter immer bei ihren Welpen, sorgt sich liebevoll um die Kleinen und verlässt die Höhle nicht.

Geburt

Wolfswelpen sind Nesthocker und kommen mit verschlossenen Augen und Ohren zur Welt und haben ein Geburtsgewicht von 300 – 500g.

1 – 14 Tage – Die Neonatale Phase

In den ersten zwei Wochen ihres Lebens verbringen die Welpen mit Schlafen und Trinken. Die Zitzen der Mutter werden pendelten Bewegungen und im Kreis kriechen gesucht. Sie beherrschen den Milchtritt und können sich bereits abstemmen.

Die Nähe zur Mutter und den Geschwistern hilft ihnen die Körpertemperatur zu halten, selber regulieren können sie diese noch nicht.

Die Laute die sie von sich geben, sind eine Art Mucken und Schreien. In dieser Phase sehen und hören die Welpen noch nichts, der Geschmacks- und Geruchssinn ist aber ab dem 9. Tag voll ausgebildet!

2 – 4 Woche – Die Prägungsphase

Unter Prägung versteht man den raschen Lernvorgang in der frühen und sensiblen Lebensphase die sehr kurz ist. Das Ergebnis dieser Phase ist irreversibel.

Die Veränderungen die der Welpe in dieser Zeit durchmacht sind gewaltig. Mit 12-15 Tagen öffnet er die Augen. Er sieht zu beginn nur schwach, hell/dunkel (bis er scharf sehen kann, vergehen noch einmal 14 Tage).

Die Ohren richten sich auf und öffnen sich, mit Ende der 3. Lebenswoche ist die Hörfähigkeit vorhanden. Die ersten Umweltreize werden wahrgenommen und die Bewegungen werden kontrollierter.

Der Welpe kann nun schon knurren und selbständig Harn- und Kot absetzen.

Die ersten Zähne brechen durch, zuerst kommen die Schneide- (Incisivi) dann die Eckzähne (Canini).

Zwischen der 3. und 4. Lebenswoche verlassen die neugierigen Welpen zum ersten Mal die Höhle und lernen das Rudel kennen. Sie bekommen auch schon etwas vorverdautes Fleisch, das die erwachsenen Wölfe ihnen vorwürgen. Die Mutter verlässt die Höhle immer häufiger.

4 – 8 Woche – die Sozialisierungsphase

Mit 4 Woche sind die Sinnesorgane des Welpen voll ausgebildet, seine körperliche und mentale Entwicklung schreitet rasant voran. Es sind nun besonders die Gliedmassen und alle anderen überlebenswichtigen Körperteile die extrem schnell wachsen und das Tier so auf das Überleben in der Natur vorbereiten.

Sie erlernen die Körpersprache, das Spiel- und Jagdverhalten entwickelt sich. Die ersten Beiss-, Kampf- und Bewegungsspiele beginnen.

Alles im Rudel dreht sich nun um die Aufzucht der Welpen, das ganze Rudel hilft mit. Ist das Rudel auf Jagd bleibt immer mindestens ein Rudelmitglied bei den Welpen – es ist die meist ein Jährling.

Mit 6 Wochen besitzen die Jungen schon einen grossen Teil des Verhaltensrepertoires. Diese wird durch intensives Spielen immer mehr gefestigt.

Spielen ist in dieser Phase unerlässlich für das erlernen von Verhaltensweisen – sie üben sowohl körperliche Fähigkeiten wie auch Sozialverhalten.

Das Jungtier nimmt nun immer mehr feste Nahrung zu sich. Mit 6-8 Wochen sind sie von der Mutter entwöhnt.

Die Augenfarbe ändert in dieser Zeit vom Blau der Welpen zur bernsteinfarben der erwachsenen Tiere. 

8 – 10 Woche

Das Rudel zieht nun mit den Welpen an einen seiner sogenannten „Rendezvous“ Plätze, der sowohl weite Flächen für Spiele und Jagdversuche, als auch ausreichendes Rückzugsgebiet für den Gefahrenfall bietet.

3 Monate

Die Welpen begleiten gelegentlich das Rudel beim Herumstreifen und erkunden immer mehr die Umgebung. Mit 3-4 Monaten beginnt der Zahnwechsel. Zuerst wechseln die Incisivi (Schneidezähne).

4 – 6 Monate

Mit 4-6 Monaten wechseln die Canini (Eck- oder Fangzähne), dann die Prämolaren  2, 3 und 4 (vordere Backenzähne).
Der Prämolar 1 erscheint mit 4-5 Monaten und wechselt nicht. Alle Molaren (hintere Backenzähne) erscheinen nur im Ersatzgebiss.

Mit  ca. 7 Monaten ist das Ersatzgebiss vollständig.

6 – 8 Monate

Die Jungwölfe verlassen nun den „Rendezvous“ Platz und begleiten das Rudel auf dessen Wanderungen und auf der Jagd. Jagderfolge wurden in diesem Alter aber noch nicht beobachtet. Sie sind schon beinahe so gross wie die erwachsenen Wölfe.

12 Monate

Von der Grösse her unterscheiden sie sich von den erwachsenen Wölfen kaum mehr, das Skelett ist nun vollständig ausgewachsen. Die vollständige Masse erreichen sie aber erst mit ca. 2 Jahren.

22 Monate

Erreichen der Geschlechtsreife. Viele Jungwölfe verlassen jetzt das Rudel um einen Partner/in zu suchen und in einem neuen Territorium eine eigene Familie zu gründen.

Kommunikation

Der Wolf besitzt mehrere Möglichkeiten zur Kommunikation, es sind dies

  • die optische Sprache: Kommunikation durch Körpersprache
  • die akustische Sprache: Kommunikation durch Lautäusserung
  • die olfaktorische Sprache: Kommunikation durch Duftstoffe
  • die taktile Sprache: Kommunikation durch tasten, berühren und Spüren

Die optische Sprache

Die Wölfe haben eine ausgeprägte Körpersprache und auch eine Mimik. Die Tiere interagieren stark untereinander zu einem grossen Teil mittels Körpersprache.
Hierzu kommt es durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Signale.

  • Stellung der Ohren und der Rute.
  • Kopf- und Körperhaltung (hoch/tief).
  • Stellung der Gliedmassen.
  • Die ganze Mimik.

Man kann dem Tier ablesen, in welcher Stimmung es gerade befindet, dominant, entspannt, unterwürfig, unsicher, ängstlich oder in Spiellaune.

Anhand der optischen Sprache kann man auch die soziale Stellung des Tieres im Rudel ablesen.

Für die Interpretation wichtiger als die jeweiligen Ausdruckselemente der einzelnen Körperteile ist immer der Gesamteindruck der Körperhaltung!

Die akustische Sprache

Damit man die akustischen Signale des Wolfes deuten kann, muss man immer auch die optische Sprache einbeziehen. Ein Knurren bedeutet nicht immer das selbe, es kann sowohl ein Angriffs- oder auch ein Abwehrdrohen sein – zur Unterscheidung braucht es die Körperhaltung.

Die akustische Sprache dient nicht nur zu Kommunikation auf Sichtdistanz, sie dient vor allen dingen zur Informationsübertragung über grössere Distanzen.

Die akustischen Signale lassen sich in folgende Gruppen einteilen

  • Mucken
  • Winseln
  • Wuffen
  • Knurren
  • Schreien
  • Jaulen
  • Heulen

Mucken

Kurze, relativ tiefe leise Töne der Welpen, bis ca. 4 Wochen. Beim älteren Tier verschwindet dieser Laut wieder vollständig.

Winseln

Es signalisiert Unbehagen von Welpen und erwachsenen Wölfen, kann aber auch bei anderen Situationen wie Sexualität und Erregung gezeigt werden, dann ist der Ursprung aber nicht Unbehagen.

Wuffen

Das Wuffen ähnlich dem Bellen, ist bei Wölfen ein Warnlaut. Der Wolf bellt nicht anhaltend wie der Hund, er gibt als Warnung nur ein kurzes, leises ‚Wuff‘ von sich.

Auch anschliessend an das Heulen kann der Wolf noch kurz ‚Wuffen‘, dies wird „bark howling“ genannt.

Knurren

Das Knurren ist ein typischer Warn- und Drohlaut.

Schreien, Jaulen

Der Wolf Schreit nur bei grosser Angst oder starken Schmerzen.

Heulen

Heulen ist die typische Art wie der Wolf auf grossen Distanz kommuniziert. Ein Wolf kann das Heulen eines Artgenossen dank seines guten Gehörs auf Distanzen von 6 km, bei günstigem Wind gar auf 10 km wahrnehmen.

Jedes Rudelmitglied heult in seiner eigenen Tonlage uns ist somit gut von den anderen zu unterscheiden. Das gemeinsame Heulen – es wird auch Chorheulen genannt – fördert und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Chorheulen

Wölfe heulen ums sich auf die Jagd einzustimmen und auch um ihr Revier akustisch zu markieren.

Einzelne Wölfe heulen um Kontakt zu einem Rudel oder zu anderen einsamen Wölfen zu suchen.

Meist heulen sie in den Dämmerstunden, wobei sie aber nicht den Mond anheulen.

Die olfaktorische Sprache

Unter olfaktorischer Sprache versteht man die Weitergabe von Informationen durch Gerüche. Der Wolf besitzt wie alle Caniden einen sehr stark ausgeprägten Geruchssinn. Die grosse Riechschleimhaut ist mit rund 200 Millionen Riechzellen besetzt – zum Vergleich, der Mensch besitzt 20 bis 30 Millionen – erlaubt es ihm Körperschweiss in einer bis zu einer Million dünneren Konzentration wahr zu nehmen.

Beutetiere kann der Wolf über eine Entfernung von 2 bis 3 Kilometer wittern.

Die geruchliche Kommunikation spielt auch beim individuellen Erkennen der Artgenossen und ihres gegenwärtigen Zustandes, bei territorialen Besitzanzeigen sowie im sexuellen Bereich eine wichtige Rolle. Durch die Ausschüttung von Pheromonen (Duftbotenstoffe) kündigt das Weibchen ihre Paarungsbereitschaft an.

Das Markieren der Reviergrenzen erfolgt primär durch das Setzen von Urinmarken (Spritzharnen), aber auch durch absetzen von Kot auf markante, meist erhöhte Stellen, wie grosse Steine oder Grasbüschel.

Wölfe besitzen, wie die Hunde, an den Pfotenballen Drüsen. Durch häufiges Scharren werden sowohl Duftmarken verteil wie auch visuelle Marken hinterlassen.

Solche Duftmarken bleiben für andere Wölfe bis zu einem Monat erhalten.

Das Rudel durchwandert alle 3-4 Wochen das ganze Territorium und markiert auf diese Weise das Gebiet. Besonders häufig werden hierbei Grenzgebiete zu anderen Rudeln markiert. Häufig benutzen 2 benachbarte Rudel sogar dieselben Markierungsplätze, wobei sie hier besonders aufgeregt die Stellen beriechen, darüber markieren und danach intensiv scharren.

Mittels Markieren (Spritzharnen) bekräftigen ranghohe Tiere auch ihre hohe soziale Rudelstellung.

Zur geruchlichen Kommunikation gehört auch das Wälzen in strengriechenden Substanzen wie Aas, Kot etc.
Die Funktion dieses Verhaltens ist noch nicht ganz klar. Es gibt zwei Theorien

  • Das Wälzen in Aas soll die anderen Rudelmitglieder auf eine neue Nahrungsquelle aufmerksam machen.
  • Es könnte sich um eine Art geruchlicher Tarnung der Wölfe gegen über ihren Beutetiere handeln, sie übertönen den Eigengeruch und können sich der Beute einfacher nähern.

Die taktile Sprache

Die taktile Kommunikation beinhaltet sowohl die Wahrnehmung über den Tastsinn wie auch die über das aktive Berühren und Ertasten – die haptische Wahrnehmung.

Für diese Art der Sprache setzten die Wölfe bevorzugt die Schnauze mit ihren Tasthaaren wie auch die Pfoten ein.

In einem Wolfsrudel spielt die taktile Sprache eine sehr wichtige Rolle für die sozialen Kontakte. Die Tiere lecken sich die Schnauzen, stupsen sich mit der Nase an oder Pföteln oder knabbern fein mit den Schneidezähnen am Sozialpartner.

Welpen betteln durch intensives Schnauze lecken bei den erwachsenen Wölfen nach Futter, oder die Eltern weisen die Jungwölfe und Welpen durch einen sanften Schnauzengriff zurecht. 

Für Welpen ist das Kontaktliegen mit den Geschwistern nicht nur für den Wärmeaustausch, sondern auch für den sozialen Kontakt sehr wichtig.

Der Wolf kann auch dominantes Verhalten mittels taktiler Kommunikation ausdrücken.
Den Kopf oder die Pfoten über den Rücken seines Gegenübers zu legen kann solch eine dominante Geste sein.

Da die Wölfe im Rudel diese Art der Kommunikation oft einsetzen, bedeutet dies zugleich, dass die Wölfe im Rudel einen häufigen Körperkontakt pflegen.

Schutz vor Nässe und Kälte

Das Fell

An jeder Haarwurzel findet man eine kleine Drüse, die Fett abscheidet. Dieses Fett wird im Fell verteilt und schützt den Wolf vor Durchnässung bis auf die Haut. Beim Schwimmen hilft Luft, die zwischen den Haaren eingeschlossen ist, zu verhindern das Wasser bis ganz zur Haut vordringen kann.

Zur Regulierung der Temperatur ist der Wolf mit einem dichten Unterfell ausgestattet. Bei grosser Kälte können die Tiere zusätzlich die Haare aufstellen, was für ein zusätzliches Luftpolster sorgt.

Blutzirkulation

Beim Wolf können sich die aussen liegenden Venen verengen, dadurch wird die Abgabe von Körperwärme an die Umwelt reduziert.

Um die Wärmeabgabe in den Gliedmassen gering zu halten, folgen die Blutbahnen dem Gegenstromprinzip – tiefe Arterien und Venen laufen eng beisammen, wodurch arterielles Blut welches immer weiter nach unten Richtung Pfote läuft kälter wird und venöses Blut, welches wieder zurück zum Körper fliesst wieder aufgewärmt wird.

Durch diesen Mechanismus kann zusätzlich Energie eingespart werden. Um aber in extremen Bedingungen das Erfrieren der Pfoten zu verhindern, haben sie nicht verzweigte Arterien, welche das warme Blut direkt zur Oberfläche bringen und somit dafür sorgen, dass die Pfotentemperatur um -1°C bleibt.

Verhalten

Wölfe passen auch ihr Verhalten an und rollen sich bei Kälte vollständig ein, um möglichst wenig Wärme zu verlieren.

Bei Hitze hingegen suchen sie kühle Liegeflächen und strecken sich oft aus.

Population

Derzeit leben etwa 30 bis 35 Wölfe in der Schweiz. Viele dieser Tiere sind auf der ‚Durchreise‘ und durchstreifen grosse Gebiete. Der erste gesicherte Nachweise eines Wolfsrudels in der Schweiz wurde im September 2012 erbracht.

Die als Calanda-Rudel bekannten Wölfe haben seither jedes Jahr erfolgreich Junge aufgezogen. Ein weiteres RudelGruppe von mehreren Tieren einer Schalenwildart, außer Schwarzwild, und von Wölfen hat sich 2015 im Tessin, östlich von Bellinzona in Morobbia angesiedelt. Im Sommer des Jahres 2016 wurde ein drittes Rudel im Augstbordgebiet im Oberwallis nachgewiesen – im Jahr 2017 fehlt jedoch ein Reproduktionsnachweis.

Der Wolf verbreitet sich immer mehr und er ist in immer mehr Kantonen vertreten. Das Rudel, das sich in der Gegend um Jaun und Schwarzsee zu bilden begann, ist der Wilderei zum Opfer gefallen. F13, die Partnerin von M64, ist im Juni 2017 vergiftet aufgefunden worden. Damit ist die Rudelbildung unterbunden worden.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Rudelbildung in der Schweiz im Vergleich zu Ländern wie Deutschland und Frankreich nur langsam vorangeht.

Wolfs-Nachweise in der Schweiz zwischen 2005 und 2009 (Quelle KORA)
Wolfsnachweise in der Schweiz 2016 (Quelle KORA)
  • (K1, rot): Hard fact.
  • (K2, blau): Von ausgebildeten Personen bestätigte Meldungen.
  • (K3, grün): Nicht überprüfte Riss-, Spuren- und Losungsfunde.

Konflikte

Gefahr für Haus- und Nutztiere

Die meisten Wölfe in der Schweiz sind einzeln unterwegs. Einzelne Wölfe bevorzugen leicht zu jagende Beute. Diese finden sie auf den ungeschützten und unbehirteten Alpen wo sie Schafe und Ziegen erbeuten. Für den einzelnen Wolf bedeutet dies mit weniger Anstrengung praktisch ohne Gefahr an Nahrung zu kommen – einen grossen und wehrhafter Hirsch oder eine Reh sind hingegen gefährlicher und bedeuten mehr Energieverlust im Fall einer nicht erfolgreichen Jagd.

Gemeinsam Im Rudel können sie aber ihre natürlichen, grösseren und wehrhafteren Beutetiere wie Hirsche, Rehe und Wildschweine jagen und müssen nicht auf die einfache Beute, wie unsere ungeschützten Nutztiere ausweichen.

Mehrfachtötung von Nutztieren

Immer weider kommt es vor, dass ein Wolf der eine Schafherde angreift mehrere Tier tötet ohne sie alle zu fressen.

Der Grund dafür ist in der Art wie der Wolf jagt zu finden. Es gibt einen klaren Ablauf

Suchen > Anpirschen > Jagen > Stellen > Töten > Fressen

Der Wolf frisst also erst nach dem Töten.

Er beisst also solange bis die Beute tot ist und sich nicht mehr bewegt. Schafe haben nun eine Eigenheit: sie laufen bei Gefahr zusammen – bei Wildtieren trennt der Wolf das schwächste Tier von der flüchtenden Herde ab. Die zusammen laufenden Schafe bewegen sich nun also neben dem schon toten Tier und der Wolf gerät in eine Art ‚Endlosschleife‘ und tötet weiter Tier. Dies geht so lange weiter bis die noch lebenden Schafe weit genug geflohen sind, alle Schafe tot sind, der Wolf erschöpft ist oder gestört wird. Er dann kann er die Endlosschleife durchbrechen und mit dem Fressen beginnen.

Zurücklassen von Kadaver nur halb gefressener Beutetiere

Irgendwann lässt der Wolf den Kadaver liegen, da er entweder genug gefressen hat, die Beute nicht mitnehmen kann, da sie zu gross ist oder durch etwas gestört wurde. Meist kehrt er dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Beute zurück um weiter zu fressen. In der Zwischenzeit können viele andere Aasfresser von der Beute des Wolfes profitieren.

Bei Nutztierrissen auf Weiden sollte der Kadaver möglichst rasch entfernt, die Weidesituation verändert und der Herdenschutz verstärkt werden, damit der zurückkehrende Wolf keine Beute und keinen Anreiz für weitere Risse mehr findet.

All dies führt unweigerlich zu Problemen mit der betroffenen Bevölkerung. Werden die Herden jedoch durch geeignete Herdenschutzmassnahmen geschützt, sind diese Schafe für den Wolf dann auch keine einfache Beute mehr!

Gefahr für den Menschen

Der Wolf ist im Normalfall scheu und wird nur in Ausnahmesituationen gefährlich für den Menschen. Diese können entstehen, wenn sich das Tier in die Enge getrieben fühlt oder durch Anfüttern die Scheu verliert und dreistes Verhalten entwickelt.

In einigen europäischen Ländern wurden Fälle von aggressivem Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen berichtet, trotzdem gab es seit über 40 Jahren und trotz zunehmendem Wolfsbestand keine Todesfälle mehr.

Die überragende Mehrheit der aggressiven Wölfe geht auf tollwütige Tiere (vor allen in Osteuropa) und auf Selbstverteidigung der Wölfe zurück.

So kann man eine Gewönung an den Menschen vermeiden

  • Tiere bei Kontakt strikte ignorieren und unbeachtet lassen oder mit Lärm in die Flucht schlagen.
  • Tiere nie füttern, auch nicht passiv!
  • Abfalldeponien in Nähe von Menschen und Häusern vermeiden (künstliche Futterstellen).
  • Kein Tierfutter von Haustieren draussen herumstehen lassen.

Wölfe aus Siedlungen und von unerwünschten Orten aktiv vertreiben

Wenn Wölfe wiederholt und häufig in Siedlungen oder bei Höfen erscheinen, müssen sie von dort aktiv vertrieben werden. Denn Wölfe sind lernfähig und können sich auf veränderte Situationen gut einstellen und deshalb müssen wir verhindern, dass sie sich selbst auf den Aufenthalt in Siedlungsnähe konditionieren.

Krankheiten

Die Welpensterblichkeit bei freilebenden Wölfen ist sehr hoch! Das Immunsystem ist noch nicht voll ausgebildet. Aus diesem Grund sind Krankheiten wie Staupe, Parvovirose oder Parasiten gefährlich für die jungen Tiere.

Erwachsene Tiere erkranken meist, wenn sie durch Verletzungen oder Hunger schon geschwächt sind. Parasitenerkrankungen wie z.B. die Räude sind stark verbreitet.

Auch Tollwut kommt bei Wölfen vor und die bisher nur bei Menschen bekannte Lymne-Borreliose breitet sich in letzter Zeit auch immer mehr bei Wolfspopulationen aus.

Da Wölfe in freier Wildbahn nicht gegen diese Infektionskrankheiten geimpft werden können, erhalten die Welpen auch nicht die nötigen Abwehrstoffe mit der Muttermilch.

1 thought on “Waldbewohner: Der Wolf

  1. Wölfe haben auch ein recht zu leben. Die herdenbesitzer müssen ihre tiere bewachen. Hunde, esel oder alpakas. Es ist nicht richtig, wenn menschen glauben nur sie hätten das recht alles zu ihren gunsten zu entscheiden. Mich macht das wütend

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