Waldbewohner: Der Dachs

Der Dachs oder „Grimmbart“ ist in der Schweiz weit verbreitet und ernährt sich, obwohl biologisch ein Fleischfresser, von Beeren, Feldfrüchten, Insekten und anderen Wirbellosen sowie Kleinsäugern…

Einleitung

Dachse sind in der ganzen Schweiz verbreitet. Sie bevorzugen jedoch hauptsächlich das Mittelland und die Voralpen. In den Alpen werden Baue bis in eine Höhe von 1800 m.ü.M gefunden.

Nach den durch Tollwut (1980er Jahre) und den dadurch entstandenen Ausfällen, nimmt die Population wieder stetig zu. Pro Jahr werden gemäss Jagdstatistik rund 3000 Dachse erlegt und über 3500 Tiere erscheinen in der Fallwildstatistik.

Dachse werden in der Schweiz hauptsächlich zur lokalen Bekämpfung von Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen bejagt.

Steckbrief

Gewicht (Lebendgewicht)
Rüden bis 16kg und mehr,
Fähen etwas leichter
Paarungszeit (Ranz)
Hauptranzzeit: Februar bis Mai,
Fortpflanzug ist das ganze Jahr möglich.
TragzeitKeimruhe 2-9 Monate (bis Dezember/Januar).
Effektive Tragzeit 40-50 Tage.
WurfzeitJanuar – März.
2 bis 5 Junge
SäugezeitBis 5 Monate
NahrungAllesfresser
Natürlicher BeutegreiferWolf
VerbreitungsgebietGanze Schweiz (unterhalb der Waldgrenze)

Jagdsprachliche Bezeichnungen

Erwachsene TiereRüde ♂ Fähe ♀
JungtiereJungsdachs ♂/♀
Tiergruppe
FellSchwarte
AugenSeher
OhrenGehöre
Beine / FüsseLäufe / Branten
SchwanzBürzel
PaarungszeitRanz
GeburtWerfen

Sinne

Die Augen des Dachses sind an ein Leben in Dunkelheit angepasst. Sie sind jedoch recht klein für ein nachtaktives Tier und so vertraut er auch eher seinem Gehör und seinem Geruchssinn. Farben erkennt er nicht gut und wirklich scharf sehen, kann er nur was sich in unmittelbarer Nähe befindet. Kontraste hingegen, unterscheidet er sehr viel besser und kann Umrisse auf 50 Meter Entfernung ausmachen.

Der Geruchssinn ist bei Weitem am stärksten entwickelt. Die Welt des Dachses ist eine Welt der Gerüche. Dachse sind in der Lage noch nach 2 Tagen zu riechen, ob Menschen an seinem Bau waren. Den Geruch von Artgenossen erkennen sie noch besser.

Dachse haben feste Laufwege (Wildwechsel), die wie ihre Burgen, jahrhundertealt sein können. Diese Wechsel markieren sie mit Hilfe von Duftstoffen aus Analdrüsen. Selbst einem Laufweg über einen später umgepflügten Acker, können sie noch mühelos folgen.

Ist der Boden noch warm und hat sich die Luft schnell abgekühlt, sind die Gerüche am leichtesten wahrzunehmen. Dieser Umstand entsteht bei zunehmender Dämmerung und ist für den Dachs somit der ideale Zeitpunkt für die Futtersuche.

Gebiss und Schädel

Der Schädel des Dachses zeigt deutliche Anpassungen an die Lebensweise des Tieres. Der kräftig ausgebildete Scheitelkamm ist typisch. An diesem Kamm sind die seitlichen, kräftigen Kaumuskeln befestigt.

Dachsschädel mit dem unverkennbaren Scheitelkamm

Das Gebiss weist kurze, dicke Eck- und Fangzähne auf. Die Reisszähne sind nicht richtig ausgebildet, die Backenzähne sind hingegen deutlich verbreitert und für das Zermalmen von pflanzlicher Nahrung abgeflacht.

Lebensraum

Der Dachs ist sehr anpassungsfähig. Strukturierte Landschaften mit Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Flächen bieten ihm die besten Bedingungen.

Die Bauten werden am liebsten in bewaldeten Hanglagen in leicht grabbaren Boden angelegt, in den Alpen kann dies auch unter Alphütten der Fall sein.

Verhalten

Der Dachs lebt in Familiengruppen. Da er nachtaktiv ist, setzt er mehrheitlich Laute und Gerüche zur Verständigung ein. Die Losung sowie seine Duftdrüse unter dem Bürzel setzt er zum Stempeln seines Territoriums sein. Siehe ‚Dachslatrinen‘

Schnaufen und Grunzen eines Dachses

Dachse verteidigen ihr Territorium das ganze Jahr hindurch, bei den Verteidigungskämpfen kann es sogar zu tödlichen Beissereien kommen.

Den bau verlässt der Dachs bei fortschreitender Dämmerung und kehrt am frühen Morgen wieder zurück, pro Nacht legt es so beträchtliche Distanzen zurück. Je höher das Nahrungsangebot ist, desto kleiner wird das Streifgebiet.

Im Winter reduziert er seine Aktivitäten deutlich. Er hält Winterruhe jedoch keinen Winterschlaf, in dieser Zeit zehrt er von seinen Fettreserven. Er kann so Tage bis Wochen in seinem Bau verbringen den er nur gelegentlich zur Urin- oder Kotabgabe verlässt.

Dachslatrine

Dachse sind reinliche Tiere. Aus diesem Grund legen sie in kleinen, flachen Mulden ‚Toiletten‘ an die gezielt genutzt werden so genannte ‚Dachslatrine‘.

Der Dachsbau

Der Dachs baut mit seinen langen Krallen der Vorderpfoten – den Branten – seinen Bau selbst. Das ausgehobene Material scharrt und schleudert er dabei rückwärtsgehend aus dem Bau. Die führt zu einem charakteristischen Graben vor dem Baueingang. Diese Rinne, das sogenannte Geschleif und die grossen Mengen an Aushub unterscheiden den Dachs- vom Fuchsbau

Typischer Graben vor dem Dachsbau

Der Dachsbau wird das ganze Jahr hindurch bewohnt er dient sowohl als Wurfstätte wie auch als Winterquartier. Der Bau wird über Generationen hinweg ausgebaut und gepflegt und besitzt meist mehrere Eingänge.

Die Grösse des Baues kann sich über die Jahre auf mehrere hundert Quadratmeter ausdehnen. Die Gesamttunnellänge kann dabei einige hundert Meter betragen!

Oftmals beobachtet man Fuchs und Dachs die sich einen Bau Teilen. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass der Fuchs tagaktiv und der Dachs nachtaktiv ist.

Trittsiegel

Ernährung

Der Dachs ist ein Allesfresser. Je nach Gebiet und Jahreszeit ändert sich sein Speisezettel. Besonders beliebt sind Regenwürmer. Mit seinen Branten gräbt er im Boden nach Insektenlarven und Wespen- und Mäusenestern.

Im Sommer und Herbst steht viel pflanzliche Nahrung auf dem Speiseplan. Getreide, Mais, Fallobst und Beeren auf landwirtschaftlichen Kulturen sind hier gerne willkommen.

Ein Dachs bedient sich an einer Kirrung

Losung

Dachs Losung in selbst gegrabener Latrine

Fortpflanzung

Die Ranz dauert von Februar bis März, Dachse sind aber das ganze Jahr hindurch fortpflanzungsfähig. 
Das befruchtete Ei geht in die Keimruhe über, welche bis Dezember/Januar dauert. Danach beginnt sich der Embryo weiter zu entwickeln.
Da in der Keimruhe weiter Eizellen befruchtet werden können, kommt es durchaus vor, dass in einem Wurf Welpen aus verschiedenen Paarungen zur Welt kommen.

Die Jungtiere verlassen mit 8 Wochen den Bau zum ersten mal. Sie gehen mit der Mutter schon bald auf die nächtliche Nahrungssuche.

Nach rund 5 Monaten sind die Jungtiere entwöhnt.

Population

Eine genaue Bestandszählung beim Dachs ist unmöglich! Die Population wächst jedoch langsam, weshalb sie sich nach Ausfällen zb. durch die Staupe oder Tollwut nur sehr langsam erholt.

Ausser dem Menschen und dem Wolf hat der Dachs keinen Fressfeinde. Der Strassen- und Schienenverkehr jedoch verursacht hohe Verluste.

Konflikte

Dachse können in landwirtschaftlichen Nutzflächen Wildschäden anrichten. Besonders milchreife Maisfelder an Weintrauben und Beerenkulturen.

Eine Wildschadensverhütung findet hier mit bodennahen zweilitzigen Elektrozäunen und durch gezielten Abschuss statt.

Ansprechen und Altersbestimmung

Die Bestimmung des Geschlechtes kann nur am Tier selbst, anhand der äusseren Geschlechtsmerkmale wahrgenommen werden.

Eine Altersbestimmung kann grob von der Grösse abgeleitet werden – Jungdachse sind kleiner wie ausgewachsene Tiere.

Bejagung

Der Dachs kann nur in der späten Dämmerung und in der Nacht gejagt werden. Sie werden hauptsächlich im Ansitz am Bau oder Pass erlegt.

Weiter kommen Dachse auf Bewegungsjagden oder auf der nächtlichen Pirsch bei Mondlicht auf Weiden und Wiesen zur Strecke.

Bejagt wird mit Schrot oder Kugel.