Verhaltensbeurteilung beim Dackel – weshalb ?

Wenn man Worte wie ‚Wesensprüfung‘ oder ‚Verhaltensbeurteilung‘ hört, denkt der eine oder andere sicherlich an die ‚Problemhunde‘ Diskussion vor einigen Jahren. Warum diese Beurteilung beim Dackel wichtig ist möchte ich hier erklären

Wie kam es dazu?

Es gab in den frühen 2000er Jahren eine Besorgniserregende Zunahme an Unfällen mit Hunden. Aus diesem Grund hat die SKG die Weisung an alle Rassehundeklubs erlassen, dass ab dem 1.1.2007 nicht nur der Formwert des Hundes für die Zuchtzulassung massgebend ist, auch die Beurteilung des Verhaltens des Hundes muss mit einbezogen werden  – die Wesensprüfung.

Mit diesem Hilfsmittel soll erreicht werden, dass aggressive oder auch ängstliche Hunde nicht mehr zur Weiterzucht zugelassen werden.

Ein Hund soll sich im heutigen, täglichen Umfeld ohne Stress und daraus entstehender Aggression bewegen können und seinen zwei- und vierbeinigen Begegnungen gegenüber freundlich auftreten.

Wie wird geprüft?

Als erstes muss man sagen, der Hund ist während dieser Prüfung frei – er wird nicht geführt!
Dies verdeutlicht auch, nicht der Hundeführer wird geprüft, nein, es ist der Hund der hier zeigen soll wer er ist.

Die Beurteilung des Hundes wird von mehreren ‚Wesensrichtern‘ vorgenommen. Die Prüfung findet – zumindest beim SDC – in Gruppen zu viert statt.

Die Hunde sollen sich bei dieser Prüfung in einer Ruhigen Umgebung aufhalten. Zuschauer und im besonderen Zuschauer mit Hunden müssen sich in eine Distanz zu Prüfling aufhalten in der er nicht beeinflusst wird.

Was wird nun geprüft…

Der Hund wird auf seine Reaktion gegenüber akustischen und optischen Reizen sowie auf sein Verhalten gegenüber taktilen (Berührungen) Reizen geprüft.

Der Hund soll sich, wie schon erwähnt, bei diesen Prüfungen in einem friedlichen und nicht bedrohlichen Umfeld bewegen. Es dürfen keinerlei Provokationen gegenüber den Hund stattfinden. Somit kann beurteilt werden, wie sich der Hund gegenüber anderen Hunden und Menschen verhält. Der Hund darf von seinem Führer in diesen Tests nicht geführt werden.

Die Prüfungspunkte.

Die Befragung (ganze Gruppe)

Auf begrenztem Raum (ca. 3x3m) werden die Hundeführer in der Gruppe befragt. Dabei soll sich der Wesensrichter ein Bild über Gesundheitszustand, Ausbildung und Erfahrung verschaffen. Auf diesem Begrenzten Raum wird sich auch ein Bild vom Verhalten gegenüber den anderen anwesenden Hunden  gemacht.

Das Begehen (ganze Gruppe)

Mit den frei laufenden Hunden wird das Prüfungsgelände begangen. Die Hunde sollen sich dabei frei bewegen können und werden vom Hundeführer nicht untergeordnet. Während dieser Phase werden zwei Schüsse aus einer Pistole in die Luft abgegeben. Hierbei wird festgestellt wie sich der Hund gegenüber Artgenossen, seinem Führer und fremden Personen verhält.


Das Begehen

Parcours

Beim ablaufen des Parcours wird beurteilt, wie sich der frei laufende Hund gegenüber optischen und taktilen Reizen verhält.

Der Hundeführer muss oder soll dabei seinen Hund dazu animieren ihm durch den Parcours zu folgen.

Laute Geräusche

Hier wird geprüft, wie sich der Hund gegenüber unerwarteten lauten Geräuschen verhält. Als Geräuschquelle kann zB. ein Sack mit leeren Konservendosen oder ein Plastikbehälter mit Steinen dienen, die neben dem Hund zu Boden geworfen werden. Dabei wird geprüft, wie der Hund auf diese unerwarteten Geräusche reagiert.

Fremdpersonen

In dieser Phase der Beurteilung wird festgestellt, wie sich der Hund gegenüber einer fremden Person bzw. einer Menschenmenge verhält.

Menschenmenge

Der Hund bewegt sich frei unter ihm unbekannten Menschen. Die Menschenmenge besteht hierbei aus mindestens 6 Personen. Die Menschen dürfen dem Hund gegenüber nicht bedrohlich auftreten, sie Bilden während dem Test sowohl eine Gruppe wie auch eine Gasse.

Alltagsverhalten

Hier wird das tägliche Leben des Hundes in menschlicher Umgebung nachgestellt und geprüft.

Hund und Fahrradfahrer

Wie reagiert hier der Hund, wenn er alleine angebunden ist, auf einen vorbeifahrenden Fahrradfahrer? Wie reagiert er auf eine Person die an Stöcken mit einem riesigen Hut auf dem Kopf an ihm vorbei läuft?
Diese Fragen werden in dieser Phase der Wesensbeurteilung beantwortet. Der Hundeführer ist hat sich dabei nach dem Anleinen vom Hund entfernt und ist nicht mehr im Sichtfeld des Hundes.

Reizangel

Hier wird der Beutetrieb beurteilt. An einem langen Stab sind Spielzeuge oder Wildstücke befestigt. Es wird geprüft, wie der Hund auf diese reagiert.

Die Reizangel wirkt!

Zeitaufwand

Die Prüfung dauert an und für sich pro und ca. eine halbe Stunde. Da beim SDC in Gruppen zu 4 Hunden gearbeitet wird, können von der Befragung bis zum Erhalt der Resultates auch einmal 2 Stunden vergehen…

Es ist keine Leistungsprüfung!

Es kommt bei dieser Prüfung nicht darauf an, wie schnell der Hund den Parcours absolviert oder wie gut der Hundeführer – er steht eh im zweiten Glied – seinen Hund im Griff hat. Es wird beurteilt wie der Hund auf die verschiedenen Reize reagiert. Aber diese Prüfung dient auch dem Erhalt der rassespezifischen Merkmale – ein Dackel muss ein gewisses Mass an ‚Strapazierfähigkeit‘ und ‚dickem Fell‘ besitzen.

Siehe hierzu auch den Artikel zum Thema Stammbaum

Ist eine Vorbereitung möglich?

Ja! Gewiss…
Schlussendlich wird hier unter anderem Geprüft wie der Hundeführer seinen Hund an die Welt der Menschen gewöhnt hat. Dies kann man von Welpe an durch das Besuchen einer Welpenschule und später durch vertiefen in einer Junghunde Schule gewährleisten.

Es ist auch unerlässlich, dass der Hund von Jung an (als Welpe schon) an, an unbekannt und ungewohnte Orte gewöhnt wird. Belebte Orte wie ein Bahnhof oder eine Einkaufsstrasse dürfen für Junghunde kein Tabu sein. Der Hund wird sich in relativ kurzer Zeit in dieser Umgebung zurechtfinden und dadurch viel Selbstvertrauen und Sicherheit gewinnen.

Hier sein auch auf die Begleithundeprüfungen des SDC verwiesen, diese Prüfung bringt dem Hund wie seinem Führer Vorteile und Sicherheit die er in schwierigen Situationen wie auch im Alltag gut gebrauchen kann – vom Spass mit dem Hund reden wir nicht, das ist selbstverständlich…

Eine kleine Danksagung an dieser Stelle

Ich und meine Frau durften am 7. Oktober 2018 der Wesensprüfung des SDC Ortsgruppe Graubünden/Tessin beiwohnen. Leider ist die Anmeldung für unsere Lilo nicht angekommen sodass wir nicht an den Start konnten. Es war aber ein Erlebnis das ganze ‚drum-herum‘ sehen uns spüren zu dürfen!

Für mich ist es klar, dass Lilo bald die Wesensprüfung und im 2019 die Begleithundeprüfung absolvieren wird – die zweite wird sich hoffentlich auch bestehen!

An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an die Mitglieder der Ortgruppen Graubünden/Tessin für die nette Aufnahme der ‚Landschäftler‘, im Besonderen einen Dank an Kurt Hartmann